100 Jahre Spvgg Rommelshausen
100 Jahre Sportvereinigung Rommelshausem 100 Jahre Sportvereinigung Rommelshausem
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Der Gesamtverein : Sportvereinigung 1933

Vorstand, Ausschuss

Eugen Sommer
Eugen Sommer

1. Vorsitzender: Eugen Sommer

besondere Ereignisse

25-jähriges Jubiläum des Kraftsportvereins

24.Juni 1933: Verbot und Auflösung des Arbeiter-Turnerbundes und seiner nachgeschalteten Vereine; Gleichschaltung des Sports

Daraus resultierend Gründung der "Sportvereinigung Rommelshausen" (SpVgg) durch "Zusammenschluss" des Arbeiterturnvereins und des Kraftsportvereins Rommelhausen.

interessante Beiträge:

Der „Zusammenschluss“ oder die „Geburt der Sportvereinigung“


Eine Chronologie der vorhandenen Dokumente

Politische Rahmenbedingungen

Im Rahmen des „Ermächtigungsgesetzes“ beschließt am 27.2. 1933 die nationalsozialistische Reichsregierung die „Gleichschaltung von Staat und Gesellschaft“, u. A. auch des Sports, außerdem das Verbot sämtlicher Arbeiterorganisationen. In diesem Rahmen wurde auch der Arbeiter- Turn- und Sportbund (ATSB), dem der Turnverein Rommelshausen angehörte, verboten und aufgelöst, mit der Festlegung, dass auch sämtliche angehörende Vereine zu verbieten und aufzulösen seien. In Rommelshausen betraf das neben dem Turnverein auch noch den Gesangverein „Sängerlust“.
Noch 1933 wurde dann auch die bürgerliche „Deutsche Turnerschaft“, aufgelöst bzw. in den „Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen (DRL) mit 15 Fachverbänden überführt. Einer dieser Fachverbände wurde der bisher selbständige „Deutsche Athletik-Sportverband von 1891“ (DASV), dem auch der Kraftsportverein Rommelshausen (KVR) angehörte. Anstelle der „Fach-Sportvereine“ sollten dann die „Sportvereinigungen“ treten, in denen die Fachsportarten in Abteilungen vertreten waren. Nach der Chronik von 1958 wurde dies dann in Rommelshausen am 6. November vollzogen.
Der DRL wurde dann 1935 in den „Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibessübungen“ (NRfL) umbenannt.

Dazu nachstehend die zu diesen Vorgängen vorhandenen die Sportvereinigung betreffenden Dokumente.

Auszug aus der Rede von Eugen Sommer am 9. Juli 1933 zum 25-jährigen Jubiläum des KVR

Durch den überwältigenden Sieg der nationalen Regierung und der Machtübernahme des Führers Adolf Hitler und der damit bedingten Gleichschaltung des deutschen Sportes sind auch für unseren Verein neue Richtlinien geschaffen worden. Dieser Entwicklung haben wir Rechnung getragen, indem wir in einer außerordentlichen Generalversammlung am 10. Juni 1933 beschlossen, unserem Verein eine deutsche Turnabteilung anzugliedern.
Die gesamte Rede können Sie hier sehen.

Auszug aus der Vereinschronik von 1958 zur Auflösung des Turnvereins, zusammengestellt von Eugen Schneider

Dann kam das Ende des Turnvereins. Am 24. Juni 1933 wurde dem damaligen Vorstand Eugen Schneider die Auflösungsurkunde im Auftrag des Württ.-Innenministeriums und der Württ. Polit. Polizei durch Oberlandjäger Küchle übermittelt. Der Turnverein war aufgelöst, aber aus ihm und dem damaligen Kraftsportverein ist die heute noch bestehende Sportvereinigung Rommelshausen hervorgegangen.

Auszug aus der Vereinschronik von 1958 betreffend den Kraftsportverein zu den Vorgängen 1933

Mit Riegen bis zu 24 Mann wurden Erfolge über Erfolge errungen bis zu dem schicksalhaften Jahr 1933, und dem Jahr des 25jährigen Bestehens, das leider auch die Auflösung des Turnvereins brachte und das Vereinsleben in das politische Leben einbezog. Mit der Gründung einer Turnabteilung wurde dieser Zweig der Leibesübung unter Leitung von August Jlg weiter gepflegt.

Auszug aus der Vereinschronik von 1958 zur Gründung der Sportvereinigung, zusammengestellt von August Ilg.

Das durch die "Machtergreifung" unvergessene Jahr 1933 brachte auch für den Turnverein und den Kraftsportverein einschneidende Veränderungen. Zunächst wurden auf höheren Befehl im ganzen Deutschen Reich sämtliche Arbeitervereine aufgelöst und deren Vermögen beschlagnahmt. Der Turnverein mußte auch seine Halle samt Vermögen abtreten. Die Geräte fanden später in der neuen Halle wieder Verwendung, die Fahne jedoch blieb verschwunden. Junge politische Fanatiker haben sich an ihr vergriffen.
Im Juli 1933 beging der Kraftsportverein sein 25jähriges Bestehen. Bei einem gelungenen und gut besuchten Festbankett im Saale zur "Traube" verlas Vorstand Eugen Sommer eine von ihm verfaßte Vereinschronik. Am Sonntag zog ein stattlicher Festzug durch die Ortschaft auf den Festplatz bei der Kelter. Das Jubiläum nahm einen sehr schönen Verlauf, jedoch sollte es die letzte Veranstaltung des K. V. sein.
Auf den 6. November 1933, vor 25 Jahren, wurden von der Ortsgruppe der NSDAP die beiden Ausschüsse in das Nebenzimmer des Gasthauses zum "Ochsen" eingeladen. Den Anwesenden wurde mitgeteilt daß auch der K. V. aufgelöst werden müsse. An die Stelle beider Vereine trat dann die heutige Sportvereinigung. 1. Vorsitzender wurde der bisherige Vorstand des K. V., Eugen Sommer, zweiter Emil MutschIer, Leiter der Turnabteilung August Ilg, Leiter der Kraftsportabteilung Fritz Bubeck. Die Verantwortlichen sowie alle Anwesenden waren sich in dieser Sitzung einig, daß die Turnhalle schon zu den damaligen Zeiten fehl am Platze war. Ein gewisser Lärm war nicht zu vermeiden und das paßte nicht in ein Wohngebiet. Das erste Ziel des neuen Vereines war es, alles zu versuchen, um zu einem Sportplatz und einer neuen Übungshalle zu kommen.
Was bis dahin nicht gelingen wollte, wurde schnell Wirklichkeit. Der Verein erhielt einen Sportplatz und eine neue Übungshalle. In der Vereinsleitung gab es bald eine Änderung. Eugen Sommer war zu sehr mit Arbeit überlastet und bat um Entbindung von dem Vorstandsposten. Er wurde zum Ehrenvorstand gewählt und Fritz Bubeck zum Vorstand.

Das Gelände, auf dem auch heute noch der Sportplatz angelegt ist, wurde von der Gemeinde von der Hofkammer in Pacht genommen. Gemeinsam mit Spaten und Schaufeln legten die Formationen mit der Sportvereinigung den Platz an. Gleichzeitig rissen die Handwerker die Alte Kelter nieder, und nach den Plänen von Mitglied Architekt Hans Muth wurde eine schöne und helle und dabei zweckmäßige Übungshalle mit Nebenräumen aufgebaut. Im Jahre 1936 wurde die Halle ihrer Bestimmung übergeben. Mit freudiger Dankbarkeit übernahm der Verein Halle und Sportplatz.

Schreiben des Stationskommandanten Waiblingen am 28. Juni 1933,

Auftrag vom Württ. Justizministerium – W. politische Polizei – über das Oberamt Waiblingen.
Die der eisernen Front angehörig gewesenen Gesang- Turn- und andere Vereine sind sofort aufzulösen. Das vorhandene Vereinsvermögen ist zu beschlagnahmen. Es ist bis zum 25.6. auf diesen Bogen über den Erfolg zu berichten. In Zweifelsfällen ist schriftlich anzufragen
Stationskommmandant

Anweisung des Württ. Innenministeriums –Württ. Politische Polizei- am 23. August an das Oberamt Waiblingen

Die beschIagnahmte Turnhalle des Arbeiterturnvereins Rommelshausen wird hiermit der Qrtsgruppe Rommelshausen der N.S.D.A.P. für Zwecke der SA und des BDM. vorläufig überlassen. Diese Erlaubnis ist stets widerruflich. Bei der Besitzübernahme ist ein genaues Verzeichnis der vorhandenen Einrichtungsgegenstände aufzunehmen und hierher vorzulegen. Der Ortsgruppenleiter der N.S.D.A.P. haftet für den Zustand der übernommenen Vermögenswerte und ist für jede Beschädigung sowie etwaigen Verlust verantwortlich.

Hiernach ist das weitere zu veranlassen.


Schreiben vom 26. Febr. 1934 des als Liquidator eingesetzten Bezirksnotars an das Oberamt Waiblingen

Auf die Znschrift vom 19. ds. Mts. betreffend die unentgeltliche Ueberlassung von Turngeräten des aufgelösten Arbeiter-Turnvereins Rommelshausen.

Um auch den Jugendverbänden und Vereinen Gelegenheit zu turnerischer und sportlicher Betätigung zu geben, will nunmehr die Gemeinde Rommelshausen die Turnhalle des aufgelösten. Vereins samt den Turngeräten käuflich erwerben Um Festsetzung des Übernahmepreises habe ich heute die Politische Polizei im Innenministerium ersucht. Eine Überlassung der Sportgeräte an die Sportvereinigung Rommelshausen, die bis jetzt ihre Zulassung noch nicht nachgewiesen hat, wird zunächst nicht in Frage kommen. Diese Turnhalle ist samt Sportgeräten seit ihrer Beschlagnahme vom Württ. Innenministerium - Politische .Polizei - der N.S.D.A.P.-Ortsgruppe Rommelhausen zur Benützung überlassen..

Fellbach, den. 23. Februa:r 1934.

Liquidator
Bezirksnotar


Schreiben vom 25. Juni 1934 des Württembergischen Politischen Landespolizeiamts (welches zwischenzeitlich an die Stelle der Politischen Polizei im Innenministerium getreten ist) an das Oberamt Waiblingen:

Auf den Randbericht vom 11. August 1933 und den Bericht vom 17. Mai 1934

Betr.: Arbeiterturnverein Rommelshausen OA. Waiblingen

Das gesamte Vermögen des ehemaligen Turnvereins Rommelshausen wird der Gemeinde Rommelshausen um den Preis von 300.- -m.W.: Dreihundert Reichsmark überlassen. Die Gemeinde hat die Vermögensgegenstände den nationalsozialistischen Verbänden, und der Schule der Benützung zur Verfügung zu stellen.


Auszug aus Satzung 1948, die man als formale „Wiedergründung“ der Sportvereinigung ansehen kann.

§ 1 Zweck, Name und Sitz des Vereins

Zweck des Vereins ist die Pflege von Leibesübungen aller Art, sein Name ist

Sportvereinigung Rommelshausen

und hat seinen Sitz in Rommelshausen, Kreis Waiblingen. Der Verein
ist Rechtsnachfolger der 1933 gegründeten Sportvereinigung e.V., die Rechtsnachfolgerin des 1907 gegründeten und 1933 aufgelösten Turnvereins Rommelshausen e.V. u, 1908 gegründeten und 1933 aufgelösten Kraftsportvereins Rommelshausen e.V. war.

Politik betreibt der Verein nicht.

§ 1a Das heute noch bestehende Vermögen mit einem amtlichen Schätzungswert von RM 3 600. -- des 1907 gegründeten und 1933 aufgelösten Turnvereins e.V.Rommelshausen bleibt zur freien Verfügung der mit dem heutigen Tage übernommenen und namentlich aufgeführten Mitglieder. Von dem Verfügungsrecht kann nur Gebrauch gemacht werden wenn 9/10 (neun Zehntel) der übernommenen Mitglieder den Beschluss fasst. Dieses Verfügungsrecht kann an eine dritte Person nicht Übertragen werden und erlischt, wenn die übernommenen Mitglieder weniger als 7 (sieben) zählen.

Erkenntnisse aus den Vorgängen

Das Verhältnis der Sportvereinigung zum Arbeiter-Turnverein Rommelshausen bleibt etwas unklar: Einerseits werden in der Satzung von 1948, der "Wiedergründung der Sportvereinigung" nach dem Krieg und der SKV-Zeit, ausdrücklich der Turnverein und der Kraftsportverein gleichrangig als Vorläufer-Vereine bezeichnet. Dabei ist der Eigentumsvorbehalt der übernommenen Turnermitglieder an den Geräten des ehemaligen Turnvereins etwas merkwürdig.

Andererseits hat der KVR bereits vor der offiziellen Auflösung des Turnvereins eine " deutsche Turnabteilung² gegründet. Anders als die von den Nationalsozialisten verbotene Turnabteilung wurde der Kraftsportverein auch nicht verboten, sondern in Rahmen der generellen Sportorganisation mit Zentralausschuss (DRL) und Fachverbänden, zusammen mit seiner Turnabteilung in die Sportvereinigung überführt.

Möglicherweise hat man die echte Integration des ehemaligen Turnvereins bei der Wiedergründung der Sportvereinigung 1948 nachvollzogen.

Dies erklärt 2 "Auffälligkeiten" in der Spvgg:

>> Im Gegensatz zu anderen Vereinen, wo ein wesentliche Rückhalt die Senioren der Turner waren und sind, blieb die Turnabteilung diesbezüglich nach dem Kriege bis heute schwach.

>> Der 8er/3er-Rhytmus der Jubiläen ignoriert das Gründungsjahr der Turner 1907, sondern bezieht sich auf den KVR.

Leider sind die Vereins-Dokumente aus der nationalsozialistischen Zeit später aus "Rücksichtnahme" auf noch lebende Mitglieder vernichtet worden, eine echte Verstrickung ist aber weder mündlich noch schriftlich bekannt geworden, wenn auch die Rede von Eugen Sommer zum 25-jährigen Jubiläum einige durchaus aus heutiger Sicht kritische Formulierungen enthält. Möglicherweise hat die Vernichtung der Akten daher den eher umgekehrten Effekt, als man sich das vorstellte, da sie eher Spekulationen fördert.

Die Spvgg und der Nationalsozialismus; eine Einschätzung

Es gibt also wenig Dokumente aus der Zeit. Unstrittig ist, dass der Turnverein mit seinen sozialdemokratischen Wurzeln von den Nazis zu den Feinden des „Reiches“ gezählt wurde und deshalb 1933 verboten wurde. Der Kraftsportverein gehörte dagegen dem kaiserreichs-treuen Sportverband an und hatte zunächst nichts mit den Nazis zu tun, wurde aber von diesen soweit akzeptiert, dass er
zwar auch aufgelöst und in den „Einheitsverein“ Sportvereinigung überführt, aber nicht verboten wurde. In einer Rede des damaligen Vorsitzenden Eugen Sommer wurden schon Redewendungen wie „geliebtes Vaterland“, Sieg „unserer nationalen Regierung“, die „neue Zeit“ etc. verwendet. Am Schluss wird auch ein „Sieg Heil“ ausgebracht. Das Ganze hört sich aber mehr „wilhelminisch“ an, wenn man mit den Turnerliedern um die Jahrhundertwende vergleicht, die ja teilweise nicht gerade friedlich waren. Es ist natürlich aber keine „kritische Distanz zum Nationalsozialismus“ zu erkennen. Zur Haltung des Vereins zum Nationalsozialismus muss man auch konstatieren, dass schon nach kurzer Zeit der Verein einen Sportplatz bekam, „was vorher in Jahren nicht zu schaffen war“ (frühere Chronik). Ein amtliches Dokument aus 1934 vom Bezirksnotar und Liquidator zeigt jedoch eindeutig, dass die Nähe der Spvgg zum Nationalsozialismus nicht allzu eng gewesen sein kann: Sie bekam die Halle des Turnvereins nicht (und die Gerätschaften erst 1948), weil „sie bis jetzt ihre Zulassung noch nicht nachgewiesen hat (andererseits verhelfen die Nationalsozialisten der Spvgg 1936 zu einer neuen Halle und einem neuem Sportplatz). Außerdem sind keinerlei „Erinnerungen“ früherer Mitbürger über eine Verstrickung in Nazi-Machenschaften bekannt.

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