100 Jahre Spvgg Rommelshausen
100 Jahre Sportvereinigung Rommelshausem 100 Jahre Sportvereinigung Rommelshausem
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Der Gesamtverein : Sportvereinigung 1983

Vorstand, Ausschuss


1. Vorsitzender: Fritz Braun


besondere Ereignisse

Die SpVgg feiert das 75-jährige Jubiläum[b]

kn-24- Ehrungen 75-Jahr-Feier
kn-24- Ehrungen 75-Jahr-Feier

kn-2-24- Ehrungen 75-Jahr-Feier
kn-2-24- Ehrungen 75-Jahr-Feier

kn-25- - Ehrungen 75-Jahr-Feier
kn-25- - Ehrungen 75-Jahr-Feier

kn-2-25- Festzug 1983
kn-2-25- Festzug 1983

kn-3-25- Führungsteam 1983 (75-Jahr-Feier)
kn-3-25- Führungsteam 1983 (75-Jahr-Feier)

[b]Das Jubiläumsjahr - Chronik der Sportvereinigung zum 75. Jubiläum


Die Geschichte des Sports in Rommelshausen (Turnverein , Kraftsportverein, Sportvereinigung), verfasst von Otto Schirmer

Versetzen wir uns zunächst einmal in jene Zeit um die Jahrhundertwende und in jene Zeit, in der die Turnbewegung eingeleitet wurde. Im Jahr 1811 schuf Friedrich Ludwig Jahn vor den Toren der Stadt Berlin den Turnplatz auf der Hasenheide, er begründete die deutsche Turnbewegung. Gemeinschaftsgeist und Opferbereitschaft zeichneten die Arbeit auf der Hasenheide aus. Sein Buch "Die Deutsche Turnkunst", das er 1816 herausgab, beschleunigte den Siegeszug des Turnens durch ganz Deutschland. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Entwicklung weiter, aber sie spaltete sich. Die Turnbewegung wurde miteinbezogen in die politischen und ideologischen Auseinandersetzungen der damaligen Zeit. Als untrennbarer Bestandteil, der kraftvoll, zielbewusst und gut organisierten deutschen Arbeiterbewegung, entstand die Deutsche Arbeiter-Turn- und Sportbewegung. Die rasch voranschreitende Industrialisierung begünstigte diese Entwicklung sehr. Im Gegensatz dazu standen die bürgerlich-demokratischen Kräfte, deren Interessen mehr auf den preußisch-deutschen Staat ausgerichtet waren. 1868 wurde in Weimar die Deutsche Turnerschaft gegründet.

Dies war in groben Zügen skizziert der geschichtliche Hintergrund um die Jahrhundertwende, als in Rommelshausen 1907 der Turnverein und 1908 der Kraftsportverein gegründet wurden. Rommelshausen hatte damals rund 1 500 Einwohner.

In der nun folgenden geschichtlichen Übersicht wird die Entwicklung - des Turnvereins von 1907 bis 1933
- des Kraftsportvereins von 1908 bis 1933
- der Sportvereinigung ab 1933
dargestellt. Eine ausführliche und umfassende Chronik kann diese Darstellung nicht sein, vieles muss weggelassen werden.

Turnverein

Im Juli 1907 wurde von turnbegeisterten Einwohnern im Gasthaus zur Traube der Turnverein gegründet. Von den 33 anwesenden Personen entschieden sich 19 für einen Arbeiter- und 14 für einen Deutschen Turnverein. So wurde mit 5 Stimmen Mehrheit ein Arbeiterturnverein gegründet.

Gründungsmitglieder:
Christian Bubeck, Valentin Sattel, Ernst Pfund, Wilhelm Pfund, Fritz Mangold, Karl Schneider, Gottlob Mangold, Theodor Mangold, Johann Weidmann, Fritz Schweitzer, Fritz Lieb, Gottlieb Bauer, Reinhold Sauer, Karl Hurlebaus, August Ilg.

Ausschuß:
1. Vorsitzender: Gottlob Epple
2. Vorsitzender: Fritz Bubeck
Turnwart: Wilhelm Schaal
Kassier: Wilhelm Haller
Schriftführer: Christian Lederer
Beisitzer: Gotthilf Bubeck

Der unheilvolle Weltkrieg von 1914 bis 1918 hatte große Lücken auch in die Reihen der Turner gerissen. Durch Kriegseinwirkung mussten 18 Mitglieder ihr junges Leben lassen. Die Nachkriegsjahre brachten dem Verein dann einen Aufschwung wie nie zuvor. Im Jahre 1920 hatte der Verein 155 Angehörige. 1921 wurde eine Turnerinnenabteilung gegründet. Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war die Fahnenweihe, die am 16. und 17. Mai 1924 durchgeführt wurde. Das 25-jährige Jubiläum wurde am 26. Juni 1932 festlich begangen, 5 Jubilare konnten mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet werden.

Mit dem Dritten Reich kam das Ende des Turnvereins. Am 24. Juni 1933 wurde dem damaligen Vorstand Eugen Schneider die Auflösungsurkunde übermittelt.

Kraftsportverein

Der Kraftsportverein wurde am Kirchweihsonntag des Jahres 1908 von jungen Männern gegründet, die entschlossen waren, den Kraftsport auch in Rommelshausen nach dem Wahlspruch zu pflegen: "Wer seinen Körper stählt, pflegt seine Seele im Zeichen der 4 K."

Die Gründer:
Gottlieb Bubeck, Gottlob Greiner, Gottlob Maile, Christian Schneider, Christian Maile, Karl Hurlebaus, August Maile, Albert Dalaker, Karl Dalaker,

Der 1. Ausschuß:
1. Vorstand: Christian Maile zugleich Übungswart
2. Vorstand: Karl Dalaker
Kassier: Gottlob Maile
Schriftführer: Paul Dalaker
Beisitzer: Wilhelm Hurlebaus

Frage von Fitz Braun: Ist im nächsten Absatz der Turnverein und der Kraftsportverein verwechselt oder vermischt worden?

Der Turnbetrieb wurde alsbald aufgenommen. Das Gasthaus Hirsch wurde zum Vereins- und Übungslokal. Bereits im Januar 1908 zeigte der Verein zum erstenmal in der Öffentlichkeit sein Können. Da der Turnbetrieb im Saalbau zum Hirsch nicht immer regelmäßig stattfinden konnte, wurde zum Bau einer eigenen Turnhalle am 29. Januar 1910 ein 4.41 ar großer Platz an der Seestraße hinter dem Gemeindeturnplatz zum Preis von 440 Mark erworben. Schon im Juni 1910 konnte die Turnhalle eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben werden. Das Turnen nahm nun einen großen Aufschwung, so daß die Vereinsmusterriegen bei Kreis- und Bezirksturnfesten immer beachtlichere Erfolge erzielten.

Die Zahl der Mitglieder nahm rasch zu. Der erste öffentliche Auftritt des jungen Vereins bei der Weihnachtsfeier im Januar 1909 war ein voller Erfolg, er fand im neu erbauten Saal im Hirsch statt. Die ersten Übungsabende wurden in einem Stall des Gasthofs zum Adler abgehalten. Die Beleuchtung war äußerst spärlich, nur eine Kohlenfadenlampe war vorhanden.

Im Sommer 1909 wurden die ersten Sportfeste besucht. Bei der Kreisbannerweihe 1910 in der Liederhalle in Stuttgart trat die junge Musterriege von Rommelshausen zum erstenmal auf und belegte den 8. Platz. Die Riege wurde von Christian Maile geführt. Dem rührigen Verein wurde 1911 die Ausrichtung des Bezirksfestes des Remsgaus übertragen. Das Fest fand am 21. Mai 1911 statt, es war eine machtvolle Kundgebung für den Kraftsport. An Stelle von Christian Maile, der zum Militär musste, wurde in der Hauptversammlung 1911 Gottlieb Hurlebaus zum 1. Vorstand gewählt. Anschließend wurde dann nach dessen Wegzug sein Bruder Karl Hurlebaus als 1. Vorstand gewählt. Seit August 1913 übten die aktiven Sportler in der Halle des Turnvereins beim See. 1913 übernahm Christian Maile wieder die Geschicke des Vereins.

Der 1. Weltkrieg brachte einen tiefen Einschnitt. 1917 musste der Übungsbetrieb aufgegeben werden, nachdem fast alle Mitglieder an der Front standen. 14 Mitglieder sind gefallen. Die 1. Versammlung nach Kriegsende wurde am 23. Februar 1919 abgehalten. Christian Maile wurde wieder zum Vorstand gewählt.

Ein neuer Abschnitt der Vereinsgeschichte begann. Im Juni 1919 wurde gemeinsam mit dem Turnverein ein Sommerfest abgehalten. 1920 nahm Karl Lederer die Geschicke des Vereins in die Hand. Mit zähem Fleiß, eiserner Energie und harter Arbeit trieb er den Wiederaufbau des Verein voran.

Nach langen Verhandlungen mit der Gemeinde wurde sie sogenannte Alte Kelter dem Verein als Übungslokal überlassen und zweckentsprechend ausgebaut. Am 12. September 1921 wurde die größte sportliche Veranstaltung des Vereins, der Kreisjugendtag, mit über 1 000 Sportlern durchgeführt. Eugen Sommer und August Maile übernahmen 1924 die Vorstandschaft. Die Musterriege konnte beim Kreisfest in Ulm 2.Kreismeister werden. Bereits 1923 trat die 1. Ringerstaffel in die Mannschaftskämpfe ein und kämpfte sich bis zur 1. Liga durch. 1929 nahm Fritz Bubeck die Führung der Musterriege in die Hand. Mit Riegen bis zu 24 Mann wurden Erfolge über Erfolge errungen bis zu dem schicksalhaften Jahr 1933 und dem Jahre des 25.jährigen Bestehens, das leider auch die Auflösung des Kraftsportvereins brachte.

Sportvereinigung

Die "Machtergreifung" der Nationalsozialisten im Jahre 1933 brachte - wie schon erwähnt - auch für den Turnverein und Kraftsportverein einschneidende Veränderungen. Im ganzen Deutschen Reich wurden sämtliche Arbeitervereine aufgelöst und deren Vermögen beschlagnahmt. Der Turnverein musste auch seine Halle samt Vermögen abtreten. Am 6. November 1933 wurde von der Ortsgruppe der NSDAP mitgeteilt, dass nicht nur der Turnverein , sondern auch der Kraftsportverein aufgelöst werden müsse. An die Stelle beider Vereine trat dann die Sportvereinigung. 1. Vorsitzender wurde der bisherige Vorstand der Kraftsportler Eugen Sommer, 2. Vorsitzender Emil Mutschler, Leiter der Turnabteilung wurde August IIg und Leiter der Kraftsportabteilung Fritz Bubeck.

Das erste Ziel war es, alles zu versuchen, um zu einem Sportplatz und einer neuen Übungshalle zu kommen, nachdem die alte Turnhalle sehr ungünstig mitten im Wohngebiet lag. Der Verein erhielt einen Sportplatz und eine neue Übungshalle. Inzwischen gab es in der Vereinsleitung eine Änderung. Fritz Bubeck wurde zum Vorstand gewählt. Das Gelände, auf dem auch heute noch der Sportplatz angelegt ist, wurde von der Gemeinde von der Hofkammer gepachtet. Gemeinsam mit Spaten und Schaufel wurde der Platz angelegt. Gleichzeitig rissen die Handwerker die Alte Kelter nieder und nach den Plänen von Mitglied Architekt Hans Muth wurde eine schöne, helle und dabei zweckmäßige Übungshalle mit Nebenräumen aufgebaut. Im Jahre 1936 wurde das Gebäude seiner Bestimmung übergeben. Mit freudiger Dankbarkeit übernahm der Verein Halle und Sportplatz.

Einen Wechsel in der Vereinsführung gab es 1938. Gotthilf Lieb übernahm von Fritz Bubeck die Vorstandsgeschäfte. Auf sportlichem Gebiet traten seit der Gründung der Sportvereinigung besonders die Ringer und die Rundgewichtsriege hervor.

Große Veränderungen brachte der 2. Weltkrieg mit sich. Die meisten aktiven Sportler wurden eingezogen und viele junge Sportler kehrten aus dem Krieg nicht mehr zurück. In der Nacht vom 2. auf 3. März 1944 wurde die neue Sporthalle ein Raub der Flammen. Der Sportbetrieb war schon einige Zeit zuvor eingestellt worden. Nach dem Zusammenbruch von

1945 stand der Vorstand mit seinem übriggebliebenen Häuflein vor einem Nichts.
Nachdem sich die Verhältnisse wieder normalisierten, fanden sich allmählich Mitglieder der verschiedenen Vereine wieder ein. Zunächst wurde ein Kultur- und Sportverein mit Hermann Pfleiderer an der Spitze ins Leben gerufen. Ihm gehörten der Gesang- und Musikverein sowie die Sportvereinigung an.

Schon im Jahre 1947 nahmen aber die Vereine ihre alten Namen wieder an. August IIg nahm mit einem kleinen Häuflein den Sportbetrieb wieder auf. Es zeigte sich bald, dass auf Dauer in einem Saal nicht trainiert werden konnte. Man musste also wieder bauen. Im Jahre 1949 wurde dann mit vereinten Kräften der Bau einer neuen Halle in Angriff genommen.
In schwerer Zeit übernahm 1947 August IIg das Amt des 1. Vorsitzenden.

1956 übergab er es an Eugen Binder, der ein Jahr die Amtsgeschäfte führte. Von 1957 bis 1964 leitete Eugen Maile die Geschicke des Vereins. Ab 1964 übernahm Otto Schirmer als 1. Steuermann das Vereinsschiff.

Viele Baumaßnahmen wurden in den folgenden Jahren unter großem persönlichem Einsatz der Vorstandschaft durchgeführt. Die Wirtschaftsräume wurden erweitert und renoviert, die Sporthalle selber wurde modernisiert und ein weiterer Raum durch einen Anbau geschaffen. Ein ständiges Problem stellte die Sportplatzfrage dar. Zwar war 1957 die alte Spielfläche in einen Hartplatz umgewandelt worden, aber den gestiegenen und umfangreichen Ansprüchen genügte dieser Platz schon lange nicht mehr.

Gemeinderat und Gemeindeverwaltung sahen die Notwendigkeit ein, im Anschluss an den bestehenden Sportplatz ein modernes Sportzentrum zu schaffen. Nach langer Vorbereitung wurde im Januar 1972 mit dem Stadionbau begonnen. Die Einweihung erfolgte im September 1974, umrahmt von vielen sportlichen Veranstaltungen. Mit großer Anerkennung muss festgestellt werden, dass die Sportvereinigung dieses Vorhaben mit großer Tatkraft und viel Engagement unterstützt hat.

Ein weiteres großes Problem musste bald darauf gelöst werden. Es wurde dringend notwendig, weitere überdachte Sportstätten zu schaffen, um dem Schulsport und dem vielfältigen Sportangebot der Vereine gerecht zu werden. So entstanden in den Jahren 1978 - 1980 zwei Sporthallen, eine an der Haldenschule und die andere an der Rumold-Realschule.

Im Vereinsgeschehen ergaben sich Veränderungen. 1972 übernahm Heinz Huttelmaier die Nachfolge von Otto Schirmer. Im Jahr 1974 wechselte die Vorstandschaft wieder. Günter Linge war bis zu seinem Tod im November 1978 1. Vereinsvorsitzender. Seither leitet Fritz Braun den Verein. Obwohl seit 1979 wieder umfangreiche Sanierungsmaßnahmen in der Halle und im Gaststättenbereich durchgeführt werden mussten, ist der Verein im Jahre 1981 schuldenfrei geworden. Es sollte noch erwähnt werden, dass dem Verein Ende 1982 insgesamt 1 265 Mitglieder angehörten.


Das Jubiläumsjahr - Rede von Bürgermeister Haußmann beim Festbankett am 2. Juni 1983]

Sehr verehrte festliche Jubiläumsversammlung !

Ich habe die ehrenvolle und schwierige Aufgabe erhalten, über die Geschichte des Vereins zu berichten. Als Schirmherr will ich ja auch einen aktiven Beitrag zum Jubiläum leisten.
In den letzten Tagen habe ich viele Protokolle, Unterlagen und Bücher gelesen, so dass mir die Auswahl schwer fällt, was ich heute sagen soll und was weglassen. Ich bemühe mich darum, in der mir zur Verfügung gestellten Zeit, ein Bild des Vereins zu zeichnen, Stimmungen einzufangen, Ereignisse darzustellen.

Manche unter uns mögen sagen, die Vergangenheit soll man ruhen lassen. Was bringt`s uns!
Die Vereinschronik darzustellen, ist doch ein alter Zopf!
Ich sage aber: ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft! Wir brauchen die Vergangenheit, um daraus zu lernen! Wir müssen wissen, woher wir kommen, damit uns klar wird, wohin wir gehen! Das Erbe, das wir übernommen haben, müssen wir bewahren. Viele Männer und Frauen haben für diesen Verein ihr Bestes gegeben, wir haben ihnen aufrichtig und von Herzen zu danken.

Diese Einleitung war mir sehr wichtig, weil ich manchmal den Eindruck habe, dass die Vergangenheit oft sehr unter den Tisch gekehrt wird, vor allen Dingen, wenn sie unangenehm und unbequem ist.

Um die Jahrhundertwende hat es in Rommelshausen ausgesehen wie heute. Es gab viele landwirtschaftliche Betriebe und nur wenige gut ausgebaute Straßen. In unserem Heimatbuch kann folgendes nachgelesen werden:
1905 hat Rommelshausen 1600 Einwohner. Allmählich setzte die Industrialisierung ein.
( Die Firma Willy Rüsch verlegte 1906 ihren Sitz von Cannstatt nach Rommelshausen. )
Auch die Technik zog in den Ort und in die Haushalte ein. Nach der Wasserleitung wurde 1910 das elektrische Licht eingerichtet.“
Pfarrer Müller erkannte den Strukturwandel klar, als er 1908 in die Urkunde im Turmknopf
Schrieb „ Unsere Gemeinde wird- dem Strom der Zeit folgend- aus einer ackerbautreibenden mehr und mehr zu einer industriellen, da in der Nähe lohnende Arbeit gefunden wird.“

Soviel aus dem Heimatbuch. Die Menschen im Dorf kannten sich alle natürlich gut. Es gab alteingesessene Familien, wie z.B. die Familien Jäger, Schert, Pfund, Bubeck, Hurlebaus usw.
Ich versuchte der interessanten Frage nachzuspüren, was eigentlich die Menschen damals bewegte, nach einem langen Arbeitstag mit oft 10, 12 oder gar 14 Stunden noch Sport zu treiben! Was drängte sie zum Sport? Sie waren doch mit ihrer Arbeit völlig ausgelastet! Oder merkten sie, wie ausgleichend und wie gesundheitsfördernd der Sport ist und dass ein gesunder Geist einen gesunden Körper braucht. Es waren hauptsächlich junge Menschen, die neben dem Sport auch Kameradschaft und Unterhaltung suchten.

Vielleicht sollte ich zum besseren Verständnis der damaligen Zeit, also des 19.Jahrhunderts, auf die 4 besonderen Ereignisse hinweisen, die die Menschen entscheidend beeinflussten:

1.1871 wurde Deutschland endlich geeint. Das Deutsche Reich wurde gegründet mit einem
Kaiser an der Spitze, nämlich Wilhelm I., König von Preußen. Die Kaiserzeit begann,
Bismarck wurde Reichskanzler.

2.Mitte des 19.Jahrhunderts begann das Industriezeitalter ( es ist ja erst 130- 140 Jahre alt ).
Das brachte große Veränderungen mit sich.

3.1869 wurde die Sozialdemokratische Arbeiterpartei gegründet, um die Arbeiter zu vertreten,
die damals so gut wie keine Rechte hatten.

4.Und schließlich ist Friedrich Ludwig Jahn ( Turnvater Jahn ) zu erwähnen, der die deutsche
Turnbewegung begründete.
( 1811 Turnplatz auf der Hasenheide in Berlin,
1816 Buch „Die Deutsche Turnkunst“ )

Leider wurde in den großen Organisationen der Turnerschaft viel Politik und auch Klassenkampf gemacht. Dies übertrug sich selbstverständlich auch auf die kleinen Vereine. Unüberbrückbare Gegensätze gab es innerhalb der Deutschen Turnerschaft, die 1868 gegründet wurde. Das Turnerlager spaltete sich, es wurde der Arbeiter- Turnerbund gegründet als Gegensatz zur Turnerschaft, die dem Preußisch- deutschen Kaiserstaat wohlgesonnen war und die Turnerei als Wehrerziehung betrachtete.

Die Auseinandersetzung zwischen der Deutschen Turnerschaft und dem Arbeiter- Turnerbund dauerten lange; nach dem 1. Weltkrieg ging es weiter und dauerte bis in die 30er Jahre hinein.
Rommelshausen blieb von den Auseinandersetzungen nicht verschont. Es gab viele Probleme, die oft Familien trennte und entzweite.

Dies war der Hintergrund um die Jahrhundertwende, als in Rommelshausen 1907 der Turnverein und 1908 der Kraftsportverein gegründet wurden.

Zunächst will ich einiges zum Turnverein sagen.

Die Geburt des Turnvereins war rechtschaffen schwierig. Ich habe ja eben einiges zu den Hintergründen gesagt. Es wurden 3 Versammlungen benötigt, im Juli 1907 war es dann soweit. Im Protokoll heißt es ganz nüchtern:
„ Mit der 3.Versammlung sollte unter beiden Parteien ein Turnverein gegründet werden. Mitglieder waren versammelt 33 an der Zahl.“ Mehrheitlich entschied man sich für den Freien Turnverein d.h. Für den Arbeiter- Turnverein. Nachdem das Kind geboren war, ging es unverzüglich an die Arbeit. DerVereinsvorstand wurde gebildet: 1. Vorsitzender Gottlob Epple, 2.Vorsitzender Friedrich Bubeck, Turnwart Wilhelm Schaal, Kassierer Wilhelm Haller, Schriftführer Christian Lederer. Der Turnbetrieb wurde sofort aufgenommen. Im Gasthaus Hirsch war das Vereins- und Übungslokal. Man muß sich vergegenwärtigen- dies war auch bei Kraftsportverein so-, dass der Verein fast jeden Monat für alle Mitglieder eine Versammlung und meistens im Jahr 2 Generalversammlungen, manchmal sogar auch 3, abhielt. Bei der Monatsversammlung am 2.5.1908 wurde folgendes beschlossen:

„ Der Turnplatz ist bei Frau Epple auf der Reute. Eine Turnfahrt ( tatsächlich wurde aber alles zu Fuß marschiert ) wurde auf Sonntag, den 10.Mai festgesetzt. Abmarsch präzis ½ 6 Uhr am Lindle beim Lamm über Beinstein, Kleinheppach, Buoch, Steinreinach, Korb, Waiblingen, Rommelshausen.“ ( man müsste eigentlich diese Wanderung als Jubiläumswanderung machen.)
Weiter heißt es im Protokoll:
„ Vereinsdiener Theodor Mangold erhält jährlich 10 Mark Gehalt, hat aber für alle Vereinssachen zu sorgen.“

Jede Monats- oder Generalversammlung begann übrigens damit, dass die Einzahlung der Beiträge vorgenommen wurde und dass über Neuaufnahmen von Mitgliedern beschlossen wurde und nicht jeder wurde in den Verein aufgenommen !

Das 1. Sommer- bzw. wie es damals hieß, Stiftungsfest fand am 12.Juli 1908 im langen Garten statt. Festwirt war der Wirt zum Hirsch, Wilhelm Lidle.
Große Attraktion war die Schiffschaukel, Schießbude und das Glücksrad.

Der Turnverein war außerordentlich aktiv. Obwohl der Turnbetrieb im Saalbau zum Hirsch stattfinden konnte, war dies jedoch kein befriedigender Zustand, weil der Saal nicht immer zur Verfügung stand. So entschloß sich der Verein einen Platz zur Erstellung einer Turnhalle zu erwerben. Bereits im Januar 1910 erwarb der Verein einen 4,41 ar großen Platz hinter dem früheren Gemeindeturnplatz ( beim Seeplatz ) zum Preis von 1 Mark pro qm.
Bereits im Juni des gleichen Jahres wurde die Turnhalle eingeweiht. Das Geld brachte der Verein aus dem Verkauf von Gutscheinen und durch Spenden auf.

Das gab Auftrieb und Aufschwung für den Turnbetrieb, so dass die Vereinsmusterriegen bei Kreis- und Bezirksturnfesten ganz beachtliche Erfolge erzielten.

Höhepunkte im Vereinsleben waren entweder die Frühjahrs-, Herbst- oder Weihnachtsfeiern.
Meistens begannen diese Veranstaltungen gegen 15 Uhr und endeten um 24 Uhr. Das Programm sah etwa folgendermaßen aus:

Kopie

Im Jahre 1910 besitzt der Verein 1 Barren, 1 Salonreck, 35 Turnstäbe, 1 Sprunggestell, 24 Keulen, 2 Sprungbretter, 1 Schleuderball, 1 Würfel zum Stoßen, 3 Matten und verschiedene lehrreiche Bücher. In der Monatsversammlung am 17.12.1910 wird bekanntgegeben, dass die Gemeinde einen Zuschuß von 1100 Mark für den Bau der Turnhalle gegeben hat.

1913 einigte man sich mit dem Kraftsportverein, dass die Turnhalle des Turnvereins auf
1 Jahr um den Preis von 36 Mark vermietet wird. Im selben Jahr wurde von musikbegeisterten Turnern ein Trommler- und Pfeifenkorps aufgestellt, ein Jahr später erhielt der Verein eine Standarte. Von einer Monatsversammlung im März 1914 wird folgendes berichtet:
„ Hermann Stoll tischte das von ihm versprochene Faß Bier auf, welches in aller Gemütlichkeit seine Inhalts beraubt wurde.“ Im Jahre 1914 hatte der Verein 69 Mitglieder. Dann kam der verhängnisvolle 2. August 1914, die Mobilmachung. Eine große Anzahl von Turnern musste Militärdienst leisten. Der Verein hielt eine ao.Versammlung ab. Bedrückende und zu Herzen gehende Zeilen wurden im Protokoll niedergeschrieben. Junge Mitglieder hielten den Verein so gut es ging aufrecht. Viele Turner sind nicht mehr zurückgekommen.

Die Nachkriegsjahre brachten dem Verein einen Aufschwung wie nie zuvor. 1920 hatte der Verein 155 Mitglieder. 1921 wurde eine Damenriege gegründet. Von der damaligen Versammlung heißt es: „ Die Gründung einer Damenriege wurde durch Abstimmung vollzogen. Die Abstimmung ergab 15 für und 9 gegen die Gründung, somit war die Sache erledigt.“

Durch die große Arbeitslosigkeit wanderten viele aktive Turner ins Ausland, insbesondere nach Argentinien, aus. Einen Höhepunkt in der Vereinsgeschichte bildete die Fahnenweihe im Mai 1924. In einer Versammlung im Jahre 1929 wird festgestellt und beklagt, dass dem Turnen kein Interesse mehr entgegen gebracht wird. Zur Abhilfe wird vorgeschlagen, einige neuzeitliche Geräte wie z.B. Medizinbälle anzuschaffen. Auch sollte man sich mehr der Leichtathletik zuwenden, aber dazu fehlen auch wieder die notwendigen Geräte. Abteilungen wie heute gab es damals nicht.

Eine große Sache war das 25-jährige Jubiläum im Jahre 1932. Dann kam das Ende des Turnvereins. Am 24.Juni 1933 wurde dem damaligen Vorstand Eugen Schneider die Auflösungsurkunde übermittelt.

Nun zum Kraftsportverein!

Die Gründung erfolgt am Kirchweihsonntag des Jahres 1908. Leider geben die vorhandenen Protokolle wenig her, sie sind kurz und knapp gehalten. Aber wir wissen, dass der Verein von folgenden jungen Männern gegründet wurde:
Christian Maile, Karl Hurlebaus, August Maile, Albert Dalaker, Karl Dalaker, Paul Dalaker, Gottlieb Bubeck, Gottlob Greiner, Gottlob Maile, Christian Schneider.
In der Gründungsversammlung am 2.November wurde folgender Ausschuß gewählt:
1.Vorstand: Christian Maile, zugleich Übungswart.2.Vorstand: Karl Dalaker, Kassier: Gottlob Maile, Schriftführer: Paul Dalaker.

Diese jungen Männer waren entschlossen, den Kraftsport am hiesigen Ort zu pflegen nach dem Wahlspruch: Wer seinen Körper stählt, pflegt seine Seele im Zeichen der 4K ( kühn, kernig, kraftvoll, kunstvoll). Nach Beratung über die Statuten und die Übungsstätte konnte der Verein seine Tätigkeit aufnehmen. Die Zahl der Mitglieder nahm rasch zu. Bereits im Januar 1909 konnte der junge Verein mit einer wohlgelungenen Weihnachtsfeier im neu erbauten Saal im Hirsch an die Öffentlichkeit treten.

Die benötigten Übungsgeräte wurden beschafft, vor allem eine Ringermatte, eine Hantel und acht Gewichte für die junge Rundgewichtsriege.

In der Chronik des Kraftsportvereins heißt es wörtlich: „Die 1.Übungsabende fanden im Stall des Gasthofs zum Adler bei einer Beleuchtung mit einer trüben Kohlenfadenlampe statt. Mit großer Begeisterung wurde geübt, das Verhältnis der aktiven und passiven Mitglieder
war 10: 1 .“

Welche Ansprüche stellen wir doch heute an eine Übungshalle und wie bescheiden waren die Männer damals und waren sicherlich genauso glücklich, wenn nicht noch glücklicher als heute.

Wie anders die Verhältnisse damals waren im Gegensatz zu heute mag man auch daraus ersehen, dass weder der Staat noch die Gemeinden etwas für den Sport übrig hatten. Auch die Bevölkerung war dm Sporttreiben nicht sehr wohlgesonnen.
„ Ed Sport macha, sondern schaffa, schaffa.“ hieß es. Die Vereinsmitglieder waren also vollständig auf sich selbst angewiesen. Idealismus wurde wirklich groß geschrieben, ohne diesen Idealismus und ohne eine weitherzige Opferbereitschaft wären die Vereine damals gar nicht lebensfähig gewesen.

Im Sommer 1909 wurden die ersten Feste besucht. Bei einer Kreisbannerweihe im Jahre 1910 in der Liederhalle in Stuttgart trat die junge Musterriege zum erstenmal auf und belegte den 8.Platz. Der älteste der Riege war 19 Jahre alt. Riegenführer war Christian Maile. Dem rührigen Verein wurde 1911 die Ausrichtung des Bezirksfestes Rems übertragen. Der Festplatz war im „Langen Garten.“ Die älteren Erinnern sich sicherlich heute noch an diese machtvolle Kundgebung für den Kraftsport. An Stelle von Christian Maile, der zum Militär musste, wurde in der Hauptversammlung am 7.Oktober 1911 Gottlieb Hurlebaus zum 1. Vorstand gewählt. Nach Wegzug von G.Hurlebaus wurde sein Bruder K.Hurlebaus als 1.Vorstand gewählt und als Übungswart Heinrich Hägele.

Eine starke Zäsur brachte auch beim Kraftsportverein der 1.Weltkrieg. Der Übungsbetrieb wurde mühsam aufrechterhalten und 1917 ganz aufgegeben.

Im Jahre 1918 nahmen einige Mitglieder den Übungsbetrieb wieder auf. In einer Versammlung am 27.Juli 1918 waren 21 Mitglieder anwesend. Karl Hurlebaus war 1.Vorstand. Die erste Versammlung nach Kriegsende wurde am 23.Februar 1919 abgehalten und Christian Maile wieder zum Vorstand gewählt.

Ein neuer Abschnitt der Vereinsgeschichte begann.
Im Juni 1919 wurde gemeinsam mit dem Turnverein ein Sommerfest abgehalten. Am 8.Mai 1920 nahm K.Lederer die Geschicke des Vereins in die Hand. Mit zähem Fleiß, eiserner Energie und harter Arbeit trieb er den Wiederaufbau des Vereins voran.
Nach langen Verhandlungen mit der Gemeindeverwaltung wurde die „Alte Kelter“ dem Verein als Übungslokal überlassen und zweckentsprechend ausgebaut. Am 12.September 1920 wurde die größte sportliche Veranstaltung des Vereins, der Kreisjugendtag, mit über 1000 aktiven Sportlern durchgeführt. Dies war für Rommelshausen ein einmaliges Ereignis.
Das sportliche Geschehen des Vereins erforderte dringend einen Sportplatz. Leider blieben die Bemühungen ohne Erfolg. Nur mit Mühe konnte das Gaufest 1929 auf einem Festplatz „Unter dem Dorf“ durchgeführt werden. In dieser Zeit nahm Fritz Bubeck die Führung der Musterriege in die Hand. Mit Riegen bis zu 24 Mann wurden Erfolge errungen bis zu dem Schicksalhaften Jahr 1933 und dem Jahr des 25-jährigen Bestehens, das leider auch die Auflösung des Turnvereins brachte und das Vereinsleben in das politische Leben einzog.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich will hier kurz innehalten und etwas einschieben. Bei einer Monatsversammlung im April 1914, die der Turnverein abgehalten hat, hat nämlich der Schriftführer folgendes vermerkt:
„ Vorsitzender Hurlebaus hielt einen Vortrag über Turnen und was dasselbe überhaupt für einen jeden von Nutzen ist. Und dass wir die Frühjahrsfeier vor uns haben und dass eben gerade solche Mitglieder, die die günstigste Gelegenheit haben zu turnen, dass eben diese, die Schlaffesten sind. Die Gleichgültigkeit, die sich bei einem großen Teil der Vereinsangehörigen tief eingewurzelt hat, ist auch heute wieder bemerkbar. Bei Beratung über verschiedene Punkte zeigte sich das Egalsein der Mitglieder, im besonderen bei dem Hauptpunkt die Frühjahrsfeier. Keiner getraute mitzuberaten, bis einige gemütliche Turnerlieder die Gemüter der Turngenossen erweckte.“

Ich habe mir nun gedacht, dass ich versuche, ihre Gemüter auch zu erwecken.
Ich schlage vor, wenn Sie alle mitmachen, insbesondere die älteren Mitglieder, dass wir ganz schnell ein Turnerlied singen, nämlich
„ Turner auf zum Streite.“

1.Turner, auf zum Streite! Tretet in die Bahn
Kraft und Mut geleite uns zum Sieg hinan !
Ja zum höhren Ziel führet unser Spiel.

2.Nicht mit fremden Waffen schaffen wir uns Schutz.
Was uns anerschaffen, ist uns Schutz und Trutz;
bleibt Natur uns treu, stehn wir stark und frei.

3.Wie zum Turnerspiele ziehn wir in die Welt;
der gelangt zum Ziele, der sich tapfer hält.
Männer, stark und wahr, strahlt der Himmel klar.

4.Auf denn, Turner ringet ! Prüft der Sehnen Kraft,
doch zuvor umschlinget euch als Brüderschaft;
großes Werk gedeiht nur in Einigkeit!

A.H.Weißmann, 1841


Die Sportvereinigung

Leider sind die Protokolle von 1933 bis 1948 nicht mehr vorhanden, da sie vermutlich verbrannt sind. Dies ist sehr bedauerlich, weil Protokolle und Niederschriften das Vereinsleben gut widerspiegeln. Dennoch sind viele Einzelheiten bekannt.

Das Jahr 1933 wird den beiden Vereinen unvergessen bleiben. Im ganzen Deutschen Reich wurden zunächst sämtliche Arbeiter- Turnvereine aufgelöst und schließlich auch die anderen Vereine, so auch der Kraftsportverein.
An ihre Stelle trat die Sportvereinigung.
1. Vorsitzender war Eugen Sommer, Leiter der Turnabteilung August Ilg und Leiter der Kraftsportabteilung Fritz Bubeck. Fritz Bubeck wurde später Vereinsvorsitzender, 1938 übernahm diesen Posten Gotthilf Lieb.
Anstelle der Turnhalle am See, die beschlagnahmt worden war, im übrigen auch nicht mehr den Erfordernissen entsprach, baute die Gemeinde nach den Plänen von Architekt Hans Muth neben der Kelter eine neue Übungshalle, die 1936 ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Gleichzeitig hatte die Gemeinde von der Württembergischen Hofkammer ein größeres Gelände für einen Sportplatz gepachtet, der von den Sportlern in der Hauptsache in Gemeinschaftsarbeit angelegt wurde.

Die Rundgewichtsriege wurde 1935 in Ludwigshafen, 1937 in Oßweil und 1938 in Breslau erneut Deutscher Meister. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sie noch 2 Mal und zwar 1950 in Friesenheim und 1952 in Eislingen diesen Titel erringen. Erstmals wurde ja die Meisterschaft 1931 errungen.

Im Jahre 1936 wurde die Fußballabteilung gegründet.

Der 2. Weltkrieg brach herein, die meisten aktiven Sportler mussten einrücken und so erlahmte zum großen Teil der Sportbetrieb. 45 Mitglieder kehrten aus dem Kriege nicht mehr zurück. In der Nacht vom 2. zum 3. März 1944 wurde die neue Sporthalle das Opfer eines schweren Fliegerangriffs und ein Raub der Flammen. Dann kam der totale politische und wirtschaftliche Zusammenbruch.
Der Verein stand vor dem Nichts.

Aber das schwer angeschlagene Vereinsschifflein ging nicht unter. Zunächst wurde im November 1945 unter dem Vorsitz von Hermann Pfleiderer der Kultur- und Sportverein ins Leben gerufen, dem der Gesang- und der Musikverein sowie die Sportvereinigung angehörten. Dies war einer der aller ersten Vereine im Kreis Waiblingen, die nach dem Krieg entstanden.
1947 löste sich dieser Vereinszusammenschluß wieder auf und die Vereine wurden mit ihrem alten Namen wieder selbständig. August Ilg wurde in schwerer Zeit Vorsitzender der Sportvereinigung und nahm mit einem kleinen Häuflein den Sportbetrieb wieder auf.

Es fehlte an einem geeigneten Übungsraum, die Turnhalle war ja abgebrannt.
An Geräten fehlte es. Die Gemeinde selbst hatte damals keine Mittel, um wieder eine neue Halle erstellen zu können. Man griff daher zur Selbsthilfe. Vorhanden waren 6000 Mark, die die Sportvereinigung als Entschädigung für die alte beschlagnahmte Halle erhielt. Mit viel Optimismus und Unternehmungsgeist ging man daran in eigener Regie auf dem von der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellten Platz eine neue Halle zu erstellen. Zunächst wurde nur die eigentliche Halle in der Größe von 12 auf 24m erstell. Ein Jahr später folgte das Wirtschaftsgebäude mit den entsprechenden Nebenräumen.

Die Pläne zu diesem Hallenbau erarbeitete Vereinsmitglied Paul Kärcher.
Die Hallenkonstruktion mit 8 großen Holzbindern war damals etwas völlig Neues.
Die Halle wurde bewundert. Weit und breit gab es keine solche Halle, die von einem Verein erstellt wurde. Darauf darf der Verein noch heute stolz sein.

Zur Vorbereitung dieser Rede- wenn ich dies kurz einflechten darf- habe ich vor einiger Zeit mit einigen Senioren der Sportvereinigung ein Gespräch geführt. Ich habe dabei wertvolle Hinweise erhalten, besonders wurde darauf hingewiesen, welchen wertvollen Einfluß der Bau der Sporthalle hatte.
Viele Mitglieder arbeiteten mit. Mit diesem gemeinsam errichteten Bauwerk kam Harmonie in den Verein hinein, der Zusammenhalt war groß. Es dauerte nämlich lange, bis die beiden ehemaligen Vereine sich zusammengefunden hatten. Man sagt, eine arme Zeit bindet immer; und daran ist viel Wahres.
Vom Richtfest für die neue Sporthalle das am 21.5.1949 stattfand, will ich folgendes aus dem Protokoll zitieren: „ Um 18.30 Uhr trafen sich die Vereinsmitglieder vor dem Hirsch. Der Musikverein hat sich ebenfalls eingefunden und so gings im Marschschritt mit Musik zum Sportplatz,
....
Dann sprach Gottlob Ehmann, Zimmermeister bei Bahnmüller seinen Handwerksspruch. Er erbat von Gott den Schutz der Halle, auf dass Unwetter, Feuer und Krieg fernbleiben mögen. Am Ende seiner Rede leerte er sein Glas mit dem Wunsch, dass die Halle vielen Generationen zum Segen dienen möge. Mit Wucht warf er sein Glas zu Boden, dass es in viele Scherben zersprang: Symbol des Glücks.“

Am 3. und 4. September 1949 wurde dann die Halle eingeweiht, verbunden mit vielen festlichen und sportlichen Veranstaltungen. Der damalige Schriftführer, Herr F.Engelmann, hat über die Einweihung ein längeres Protokoll verfasst. Den letzten Absatz daraus will ich hier wiedergeben: „ Cäpten Wright von der Militär-Regierung war auch Gast und freute sich an der Ungezwungenheit. Etliche Stunden währte das frohe Treiben. Langsam leerte sich die Halle und spät erst konnte das Licht gelöscht und die Halle abgeschlossen werden. Das Fazit dieser Vereinsfeier ist ein weiterer Baustein am Werk „unseres“ August Ilg, ihm sei an dieser Stelle nochmals gedankt.“

Von einem ganz besonderen Ereignis will ich jetzt berichten. Es war der Pfingstmontag, 6.Juni 1949. Am besten lasse ich wieder das Protokoll sprechen: „ Dieser Tag stand im Zeichen der Schweizer Gäste. Bekanntlich war der FC Winterthur aus der Schweiz Samstagabend nach Rommelshausen gekommen. Das Wetter war einzigartig, blauer Himmel strahlte, so dass der Sportplatz von einer riesigen Menge besucht wurde. Ca. 3000 Personen dürfte nicht zu hoch gegriffen sein. Und jetzt kam das Ereignis, das unsere Gemeinde wochenlang zuvor in Spannung hielt. Die beiden Mannschaften liefen ein. Ansprachen vom Landrat, vom Vorstand, Bürgermeister Käßer, vom Militär- Gouverneur, Capitän Wright, auch ein Vertreter vom Landessportbund war erschienen, und von Herrn Riek, Abteilungsleiter, wiesen auf die völkerverbindende Idee des Sports hin.
Und jetzt konnte das Spiel beginnen. Capitän Wright machte den Anstoß. Seine Körperfülle verbot ihm, hierbei eine bessere Figur zu machen. Die Eidgenossen gewannen knapp 3: 2.“

1948 hatte sich die Abteilung Tischtennis dem Verein angeschlossen und 1950 wurde eine Leichtathletikabteilung gegründet. August Ilg, dem wir viel verdanken, war ganz besonders aktiv für den Verein.

Ein turnerischer Leckerbissen fand im März 1950 statt, als die Gebrüder Wied im Saal des Hirsch zu Gast waren. Eine recht lustige Angelegenheit war der Besuch der Handball-Damen aus Burlafingen im April 1950 bei der hiesigen Damen- Handball-Abteilung, die damals noch bestanden hat.

In einer Monatsversammlung am 10.11.1951 wird folgendes erwähnt:
„ Da die Einladungen zur Versammlung zu spät herausgegeben wurden, soll in Zukunft jede Versammlung ausgeschellt werden.
Das Flaschenbier kostet in der Sporthalle nicht mehr 55 Pfg. sondern 60 Pfg.“

August Ilg führte das Amt des 1. Vorsitzenden bis Februar 1957. er übergab es an Eugen Binder. Von Ende 1957 bis 1964 leitete dann Eugen Maile die Geschicke des Vereins.
Ein großes Ereignis für die Sportvereinigung war der Bühnenanbau an die Sporthalle, zum größten Teil von der Firma Rüsch finanziert. Anfangs 1960 wurde in der Sporthalle das 75-Jährige Betriebsjubiläum der Firma Rüsch und der 70. Geburtstag des Seniorchefs, Willy Rüsch, gefeiert.

Ab 1964 übernahm Otto Schirmer als 1. Steuermann das Vereinsschiff. Viele Baumaßnahmen wurden in den folgenden Jahren unter großem persönlichem Einsatz der Vorstandschaft durchgeführt. Die Wirtschaftsräume wurden erweitert und renoviert, die Sporthalle sleber modernisiert und ein weiterer Raum durch einen Anbau geschaffen. Ein ständiges Problem stellte die Sportplatzfrage dar. Zwar war 1957 die alte Spielfläche in einen Hartplatz umgewandelt worden, aber den gestiegenen und umfangreichen Ansprüchen genügte dieser Platz schon lange nicht mehr.

Gemeinderat und Gemeindeverwaltung sahen die Notwenigkeit ein, im Anschluß an den bestehenden Sportplatz ein modernes Sportzentrum zu schaffen. Nach langer Vorbereitung wurde im Januar 1972 mit dem Stadionbau begonnen. Die Einweihung erfolgte im September 1974, umrahmt von vielen Sportlichen Veranstaltungen. Mit großer Anerkennung muß festgestellt werden, dass die Sportvereinigung dieses Vorhaben mit großer Tatkraft und viel Engagement unterstützt hat. Von der Sportvereinigung wurde eine amerikanische Pioniereinheit gewonnen, die im wesentlichen die Erd- und Planierungsarbeiten durchführte.

Im Vereinsgeschehen ergaben sich weitere Veränderungen. 1972 übernahm Heinz Huttelmaier die Nachfolge von Otto Schirmer. Im Jahr 1974 wechselte die Vorstandschaft wieder. Günter Linge war bis zu seinem Tod im November 1978 1. Vorsitzender. Seither leitet Fritz Braun den Verein. Obwohl 1979 wieder umfangreiche Sanierungsmaßnahmen in der Halle und im Gaststättenbereich durchgeführt werden mussten, ist der Verein im Jahre 1981 schuldenfrei geworden.

Jetzt müsste ich eigentlich zu den einzelnen Abteilungen noch etwas sagen, aber dazu reicht die Zeit einfach nicht mehr. Ich darf auf die Jubiläumsausgabe des Sport- Echo hinweisen.

Zum Schluß möchte ich Dank sagen, ein aufrichtiges und herzliches Dankeschön für die Arbeit, die die Sportvereinigung in den vergangenen 75 Jahren geleistet hat. Vielen tausend jüngeren und älteren Bürgern hat die Sportvereinigung eine sportliche Heimat geboten. Ich weiß, welcher Stellenwert der Sport im Leben eines Menschen haben kann. Die größte Errungenschaft ist, wenn man zurückblickt, dass es keine Standes-, Klassen- oder Parteienunterschiede mehr gibt.
Der Sport ist völlig frei, jeder ist willkommen.

Ich wünsche dem Verein ein gutes und glückliches Gedeihen.

Das Jubiläumsjahr - Bilder vom Festzug

Vorstandschaft und Bürgermeister im Festzug
Vorstandschaft und Bürgermeister im Festzug

 Vorstandschaft und Bürgermeister im Festzug (1983)
Vorstandschaft und Bürgermeister im Festzug (1983)

 Vorstandschaft und Bürgermeister im Festzug
Vorstandschaft und Bürgermeister im Festzug

kn-3-27- Ringer beim Festzug 1983
kn-3-27- Ringer beim Festzug 1983

pua040 - Volleyballabteilung im Festzug (1983)
pua040 - Volleyballabteilung im Festzug (1983)

pua042 - Leichtathleten im Festzug  (1983)
pua042 - Leichtathleten im Festzug (1983)

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Weitere Bilder vom Jubiläum

pua010 - Theateraufführung der Leichtathleten beim Festbankett(1983)
pua010 - Theateraufführung der Leichtathleten beim Festbankett(1983)

pua012 - Theateraufführung (1983)
pua012 - Theateraufführung (1983)

pua020 - Theateraufführung der Leichtathleten beim Festbankett(198
pua020 - Theateraufführung der Leichtathleten beim Festbankett(198

pua030 - im Festzelt der Leichtathleten beim Festbankett(1983)
pua030 - im Festzelt der Leichtathleten beim Festbankett(1983)


Das erste Ziel war es, alles zu versuchen, um zu einem Sportplatz und einer neuen Übungshalle zu kommen, nachdem die alte Turn

Das Jubiläumsjahr

8. Ausgabe Vereinszeitung - Jubiläums-Ausgabe

Jubiläumsausgabe
Jubiläumsausgabe

Impressum

Herausgeber: SpVgg Rommelshausen
Verantwortl ich: Roland Wächter, Kernen
Druck: Günter Seiz, Kernen
Auflage: 1500 Stück
Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich und wird kostenlos verteilt.

Grußwort des Sportkreisvorsitzenden Giselher Gruber

Der 75. Geburtstag vieler Vereine im Jahr 1983 hat manigfaltige Gründe. Einer davon mag im wachsenden Selbstbewußtsein des Kleinbürgertums und der Arbeiterschaft liegen. Man entwickelt sich in die Gesellschaft hinein, man erkennt die eigenen Kräfte, man will anerkannt werden und leistet seinen eigenen Beitrag zur Selbstverwirklichung. Der Sport ist noch nicht allgemein anerkannt. Seine Werte werden noch nicht honoriert. Für den scheinbaren Müßiggang wird wenig Verständnis aufgebracht.

Welch ein Wandel in den 75 Jahren. Der Sportverein hat die gesellschaftlichen Systeme überlebt:
- das Königreich Württemberg verschwand,
- in der Weimarer Republik blühte das Vereinsleben auf,
- das 3. Reich schaltete den Sport gleich und griff tief in die Sportselbstverwaltung
ein,
- die Idee war nach 1945 stärker. Der Arbeiter- und der bürgerlich geprägte Sport
raufte sich unter einem Dach zusammen.

Der Sport entwickelte sich zur prägenden Kraft in der Gemeinde. Selbstinitiative, ehrenamtliche Arbeit, Selbstaufopferung demokratischer Frauen und Männer machten den Sport zur größten bejahenden Bürgerinitiative. Aus dem gegenseitigen Geben und Nehmen zwischen Verein und Gemeinde entwickelte sich eine Partnerschaft, die unsere Freiheit kennzeichnet.

Im Namen des Württembergischen Landessportbundes, vertreten durch den Sportkreis Rems-Murr, danke ich allen Mitarbeitern der Sportvereinigung Rommelshausen für ihre Arbeit im Verein und für die Bürger der Gemeinde. Ich hoffe, daßdurch die Vorbilder der Vergangenheit sich genügend Frauen und Männer, Jugendliche und Senioren finden werden, um die Gemeinschaftsarbeit zu erhalten und voranzubringen.

Ihr
Giselher Gruber Sportkreisvorsitzender

Grußwort von Bügermeister Haußmann

Vor 75 Jahren wußte man noch nichts von Freizeitsport, von Fitneß, von der Trimm-Dich-Bewegung. Aber man wußte, daß - wie ein römischer Dichter es ausdrückte - ein gesunder Geist einen gesunden Körper brauchte und man wußte von der Turnbewegung eines Friedrich Ludwig Jahn. So blieb es nicht aus, daß auch in Rommelshausen bald nach der Jahrhundertwende sich Gleichgesinnte und Sportbegeisterte zusammenfanden, um vereinsmäßig miteinander Sport zu treiben. Es wurden kurz hintereinander gleich 2 Vereine gegründet: 1907 der Turnverein und 1907 der Kraftsportverein.

Von da an spielte der Sport in Rommelshausen immer eine große und wichtige Rolle. Aber ohne die vielen sich aufopfernden Idealisten, denen wir heute dankbar gedenken wollen, hätten nicht die schwierigsten Zeiten, auch nach 1933 als die Sportvereinigung gegründet wurde, überstanden werden können.

Sport ist in unserer Zeit mit seinen vielen Möglichkeiten und seinen vielfältigen Angeboten für jedermann möglich und für jedermann wichtig. Bewegungsmangel ist ein Grundübel unserer modernen Lebensweise, hier kann der Sport einen guten Ausgleich bieten. Deswegen hat der Freizeitsport in den letzten 3 Jahrzehnten einen ungeahnten Aufschwung erlebt.

Die Sportvereinigung darf recht stolz sein auf die vielen sportlichen Erfolge und auf das, was in den zurückliegenden Jahrzehnten erreicht und geschaffen worden ist. Die Gemeinde will auch in Zukunft dazu beitragen, daß das Sportstättenangebot erhalten bleibt oder noch weiter ausgebaut werden kann.

Zum Jubiläum übermittle ich im Namen des Gemeinderats und der Gemeindeverwaltung herzliche Glückwünsche und grüße alle aktiven Teilnehmer und alle Gäste bei den Jubiläumsveranstaltungen. Dem Verein und seinen Abteilungen wünsche ich für die Zukunft ein herzliches Glückauf, ein gutes Gedeihen, viele sportliche Erfolge und eine gute Kameradschaft.

Günter Haußmann Bürgermeister

Leitwort des 1. Vorsitzenden

Der Sportverein heute

Die Geschichte der SpVgg spiegelt die Geschichte des Sportes und der Gesellschaft in diesem Jahrhundert wieder. Jede Zeit hatte ihre speziellen Probleme.
Wilhelminisches, deutschnationales Bürgertumdenken führte zum Zusammenschluß der erwachenden unterprivilegierten Arbeiterschaft in Sportvereinen. 1. Weltkrieg, die Weimarer Republik mit Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Problemen und später die nationalsozialistische Zeit mit Gleichschaltung und Führerprinzip auch in den Vereinen prägten jeweils die Sportvereine und hinterließen ihre Spuren. Das schnelle Auferstehen und die Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg zeigt das Bedürfnis nach gemeinsamer sportlicher Betätigung auch in schwieriger Zeit.

Die Aufbaujahre mit persönlichem Anpacken und viel Eigenleistung ging konform mit dem wirtschaftlichen Aufbau. Es wurden Werte geschaffen, was allerdings nicht ohne finanzielle Belastung ging. In den 70er-Jahren unternahm die SpVgg entgegen dem allgemeinen Trend enorme Anstrengungen, die Schulden zu tilgen, so daß der Verein heute eine vorbildliche finanzielle Bilanz aufzuweisen hat.

Heute im Zeitalter der steigenden Freizeit, des relativen privaten Wohlstandes, aber auch der steigenden Arbeitslosigkeit, des stagnierenden wirtschaftlichen Wachstums, der scheinbar düsteren Zukunftssaussichten, der öffentlichen Verschuldung und der zunehmenden Umweltbelastung scheint das Gewicht des Sportes eine neue Dimension zu erreichen. Wissenschaftler haben den vielfältigen gesundheitlichen Wert des Sportes in der sonst bewegungsarmen, streßbelasteten Zeit erkannt, Psychologen den menschenverbindenden Faktor in der sonst durch Fernsehen und Mobilität eher isolierten Gesellschaft. Es ist heute doch so, daß an einem neuen Wohnort am ehesten, und fast nur dort in den Vereinen schnell und problemlos Kontakte geknüpft werden können.

Die daraus resultierenden höheren und differenzierteren Ansprüche an den Verein, verbunden mit zunehmenden gesetzlichen Vorschriften sowie der geringer gewordenen Bereitschaft zu ehrenamtlicher gemeinnütziger Betätigung in unserer Anspruchsgesellschaft, prägen heute die Vereinslandschaft. Die gemeinnützigen Sportvereine stehen heute vor der Entscheidung, ihren traditionellen Anspruch als Träger des organisierten Sportes im allgemeinen weiter zu erheben und mit den qualitativen und quantitativen Wachstumsproblemen fertigzuwerden oder sich auf ihr bisheriges, für den großen Bereich des Freizeitsportes nicht unbedingt attraktives Angebot zu beschränken und anderen das Feld (sprich Übungsraum) zu überlassen.

Wollen die Sportvereine endgültig aus der Ecke der kleinen Gruppe ehrgeiziger und nur den sportlichen Erfolg auf ihrem Gebiet anstrebender Sportler und Funktionäre heraustreten und entsprechende allgemeine gesellschaftliche und politische Anerkennung erreichen, so müssen die Vereine die Herausforderung annehmen. Die SpVgg versuchte in den letzten Jahren diesen Weg zu gehen, doch sind Probleme im Führungs- und Sportstättenbereich nicht zu übersehen. War z.B. früher der Vereinsvorstand noch ein erstrebenswertes Amt, so scheint heute niemand mehr die persönliche Herausforderung annehmen zu wollen. Mit zunehmender Größe des Vereines scheint die Zahl derer, die bereit sind, für die Allgemeinheit etwas zu tun, abzunehmen.

Bezahlte Mitarbeiter im Führungsbereich sehe ich wegen der begrenzten Möglichkeiten kaum als Perspektive an, allenfalls für einzelne organisatorische oder handwerkliche Tätigkeiten.

Gezielte Förderung des Führungsnachwuchses in den Abteilungen und die Diskussion der zukünftigen Entwicklungsrichtung müssen die entscheidenden Themen der nächsten Zeit sein. Wir sollten alle den inzwischen gängigen Werbespruch, "Es gibt viel zu tun, packen wir's an." vor Augen haben; mit "wir" sollte allerdings jeder auch sich selbst und nicht irgendwelche andere meinen.

Fritz Braun

9. Ausgabe Vereinszeitung


 Aerobic in Sil der 20er-Jahre
Aerobic in Sil der 20er-Jahre

Impressum

Herausgeber: SpVgg Rommelshausen
Verantwortl ich: Roland Wächter, Kernen
Druck: Helmut Maile, Fellbach
Auflage: 950 Stück
Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich und wird kostenlos verteilt.

Leitwort des 1. Vorsitzenden

Warum findet sich kein neuer Vorstand?

Daß ich nach über 5 Jahren Amtszeit im Februar nicht mehr kandidieren werde, ist allgemein bekannt, und ich hoffe auf ein gewisses Verständnis hierfür. Ich glaube auch, daß Einseitigkeit durch eine zu lange Amtszeit nicht gut ist. Man sollte nun meinen, daß sich in einem so großen Verein, bei dem die Finanzen, Organisation, sportliche Erfolge und das Ansehen stimmen, leicht ein Nachfolger finden lassen müßte. Daß dies nicht so ist, hat eine Vielzahl von Gründen:

- Da der größte Teil der Vereinsmitglieder einer speziellen Abteilung angehört, besteht meist kein persönliches Interesse an den anderen Sparten.
- Ein großer Prozentsatz verläßt nach seiner aktiven Zeit den Verein und wendet sich anderen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten, der Familie und dem Beruf zu.
- Das heute vorhandene Anspruchsdenken läßt den Gedanken an eine persönliche
Verpflichtung zur Weiterführung einer gemeinnützigen Sache gar nicht auf
kommen.
- Das Image der Vereinsfunktionäre ist heute nach einer dummen und gedankenlosen Kampagne "progressiver" Berichterstatter nicht mehr das allerbeste.
- Mangelnde Disziplin, Mitarbeit und Unterstützung im Verein, oft destruktive Kritik und die Schwierigkeit einen Nachfolger zu finden tragen ebenfalls nicht sehr zur Bereitschaft bei.
- Die Ansprüche an einen Vereinsvorsitzenden sind vielleicht in vielen Fällen zu hoch, es sind eine Reihe unangenehmer Pflichten vorhanden.
- Es wird aber auch versäumt, mit der gleichen Intensität wie den Sportnachwuchs
den Führungsnachwuchs zu fördern.

Haben nun gemeinnützige Sportvereine unserer Prägung überhaupt noch eine Oberlebenschance oder scheitern sie am Führungsproblem? Müssen bezahlte Kräfte eingestellt werden oder treten kommerzielle Unternehmen an die Stelle der Vereine?
Eine endgültige Antwort ist hier sicher nicht zu geben. Ich glaube jedoch, daß die Vereine die beste Waffe gegen die vielbeklagte Orientierungslosigkeit der Jugend darstellen und deshalb ein vitales Interesse der Gesellschaft an der Weiterführung der Vereine besteht.

Dies bedeutet einerseits, daß die Vereine einen Anspruch auf die Unterstützung durch die Gesellschaft haben, aber auch andererseits, daß jeder für sich die Verpflichtung daraus ableiten muß, seinen eigenen Beitrag zum Weiterbestehen des Vereines zu leisten. Natürlich kann nicht jeder Vorsitzender werden, es wird jedoch auch nur einer gebraucht. Es muß sich jeder darüber im klaren sein: Ohne eine entsprechende Führung, Verwaltung und Organisation ist kein Sportbetrieb möglich.

Fritz Braun

Wanderung des HAS zm Wasser-Reserva (1)
Wanderung des HAS zm Wasser-Reserva (1)

Wanderung des HAS zm Wasser-Reserva (2)
Wanderung des HAS zm Wasser-Reserva (2)

Wanderung des HAS zm Wasser-Reserva (3)
Wanderung des HAS zm Wasser-Reserva (3)

Wanderung des HAS zm Wasser-Reserva (4)
Wanderung des HAS zm Wasser-Reserva (4)


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